Grundsätzliches

Sam ist skeptisch. Die seitlich abgeklappten Ohren und der weggedrehte Kopf signalisieren: “Uh, ich bin nicht sicher. Gib mir Zeit und mach’ weniger Druck.” Foto: Isabel Tomczyk Photography

Stellen Sie sich vor, sie sind Erstklässler, und in der zweiten Schulwoche legt Ihnen Ihre Klassenlehrerin die Originalversion von Shakespeares Hamlet auf den Tisch, mit der Aufforderung das Stück in zwei Wochen durchzuarbeiten und eine Einschätzung von Hamlets Persönlichkeitsstörung zu geben. Würden Sie sich da etwas überfordert fühlen?

So ergeht es vielen Pferden. Sie sollen komplexe Lektionen gehen, wo keine Basis gelegt wurde, weder körperlich noch emotional. Sie sollen Situationen souverän meistern, auf die sie nicht vorbereitet wurden. Sie sollen auf feinste Impulse reagieren, werden im Alltag aber vom Reiter unbeabsichtigt abgestumpft.

Pferdeverstand ist nicht gleichbedeutend mit gesundem Menschenverstand. Auch wenn man nur das Beste für das Tier will, steht das Denken in unseren menschlichen Kategorien unseren guten Absichten oft im Weg.

Und deswegen sind es nicht die Pferde, die sich verändern müssen: Wir Menschen tragen die Verantwortung für gelingende Kommunikation. Wir müssen uns auf das Pferd und seine Bedürfnisse einstellen, nicht andersherum.

Der erste Schritt in diese Richtung ist, das Verhalten des Pferdes nicht mehr zu beurteilen und zu werten, sondern als das zu akzeptieren, was es ist: eine Meinungsäußerung des Tieres und damit die Wahrheit.

Anders als wir Menschen kann sich Ihr Pferd nicht verstellen. Es teilt Ihnen immer direkt mit, was es denkt und was es fühlt. Das mag uns nicht immer gefallen – vor allem nicht, wenn die Botschaft als Steigen, Beißen oder Durchgehen übermittelt wird. Sobald wir dafür aber die Verantwortung übernehmen, haben wir es in der Hand, eine bessere Beziehung zum Pferd und gegenseitiges Verstehen zu entwickeln.

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