Warum Horsemanship?

Horsemanship setzt sich zusammen aus den Wörtern Horse, Human und Relationship, der Begriff fusioniert also die Beziehung von Mensch und Pferd. Das greift viel weiter und umfasst viel mehr als bloßes Training oder reine Ausbildung. Eine Beziehung bedeutet Kommunikation und Partnerschaft, und entsprechend liegt der Fokus im Horsemanship darauf, wie man beides mit dem Pferd aufbauen kann – auf eine Art, die dem Tier entgegen kommt und die es leicht versteht.

Wir berücksichtigen also die Bedürfnisse des Pferdes, sein Lernverhalten und seine Psyche. Vom Boden erarbeiten wir uns Kommunikation, die dann in den Sattel übernommen wird.

Horsemanship, wie es heute weltweit gelehrt wird, geht auf die Brüder Bill und Tom Dorrance zurück, die Anfang des vergangenen Jahrhunderts in Oregon, USA, geboren wurden. Ihre Schüler haben ihr Wissen systematisiert und bekannt gemacht.

Pferde sehen die Welt durch die Herdenbrille, wie Buck Brannaman es auf seinem Seminar in Köln 2013 formuliert hat. Die Herde und deren Funktionsweise ist ihr Referenzsystem. Auch ihr weniger natürliches Umfeld samt den Menschen ordnen Pferde darin ein und bewerten es danach. Deswegen versuchen wir, den Kategorien, in denen sie denken, so nahe wie möglich zu kommen: Pferde verstehen zum Beispiel, wie man mit Raum umgeht. Wie man ihn für sich beansprucht, aber auch, wenn man ihn abgeben muss. Das machen wir uns zunutze, indem wir unsere Pferde über die Kontrolle von Raum beeinflussen und steuern. Da Pferde sich in erster Linie nicht über Laute verständigen, versuchen wir, das ständige Klicken, Klacken, und Befehle wie „Brrr“ und „Voran“ sein zu lassen und mehr mit Körpersprache, Fokus und Intention zu arbeiten.

All das Wissen, all die erprobten Theorien und ausgereiften Methoden allein reichen aber nicht aus. Denn ohne Empathie und Gefühl verkommen sie zur Mechanik. Horsemanship wird manchmal kritisiert, weil man dabei zu viel mit Druck arbeite, ein Wort, das im Deutschen negativ besetzt ist. Manchmal führt an Druck in der Tat kein Weg vorbei, weil wir mit dem Pferd körperlich interagieren – und das erfolgt nunmal über Berührungen. Druck kann aber auch angenehm sein. Denken Sie an die Hände Ihres Masseurs. Wenn es uns gelingt, dem Pferd Druck als Gefühl zu übermitteln, dem es gern folgen kann und will, dann sind wir auf dem Weg gute Pferdemenschen, Horsemen, zu werden.

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